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kategorie: Nachhaltigkeit (7)

Grün, grün, grün, sind alle meine …

Ein Gastbeitrag von Robert Grundmann, Praktikant bei hcb

Ende letzten Jahres wurde Olaf Steinhage von der Deutschen Hypothekenbank gebeten einen Vortrag über Nachhaltigkeit und Zertifizierungssysteme in der Hotellerie zu halten – ein Thema, über welches er schon 2011 auf dem Deutschen Hotelimmobilienkongress referierte und welches seitdem noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Denn das Nachhaltigkeit auch in Zukunft ein elementarer Faktor in der Hotellerie und bei der Entwicklung von Hotelimmobilien sein wird, ist klar! Angesichts schwindender Ressourcen, Umweltkatastrophen und Krankheiten bedingt durch modernen Lebenswandel, stimmen Nachrichten von „grünen“ Alternativen hoffnungsvoll.

Vorreiter und best-practice Beispiele gibt es schon mehr als eine Handvoll, zum Beispiel das Holzhotel Forsthofalm im Salzburger Land, das sich bei der Wahl zur Hotelimmobilie 2014 gegen viele renommierte, große Konkurrenten durchgesetzt hat (siehe Blogbeitrag hotelforum 2014). Ein Beispiel, welches in seiner Konsequenz beeindruckt, denn zusätzlich zum „gewohnten“ Fokus auf lokale Produkte in der Gastronomie, ist Familie Widauer beim Bau noch einen Schritt weiter gegangen. Das 21 Zimmer umfassende Haus, samt 1.000 qm Spa, Sauna und Dachpool, ist komplett aus lokal geschlagenem Zirbelholz, das ausschließlich leimfrei mit 210.000 Holzdübeln verbunden wurde. Die Wärmegewinnung aus Holzschnitzeln aus dem örtlichen Sägewerk sowie Solaranlagen sorgen für eine niedrige Energiebilanz, und bescheren einen finanziellen Vorteil, der die höheren Baukosten mittel- bis langfristig herausspielt.

Dass Nachhaltigkeit nicht nur in der Ferienhotellerie möglich ist, zeigt das Boutiquehotel Stadthalle Wien. Als weltweit erstes Nullenergiehotel verwendet das 3-Sterne-Haus kompromisslos alle aktuellen Technologien zur Ressourcenschonung. Durch Verzicht auf bekannte Stromfresser wie Minibar und Klimaanlage, sowie einem ausgeklügelten energetischen Konzept, steht dem ökologischen Betrieb eigentlich nur noch eines im Weg – der Gast. Der muss nämlich mitspielen, so manche Angewohnheit ablegen und ein Stück weit auf bekannten Komfort verzichten.

Und da kommen wir zu der Krux. Laut der aktuellen, repräsentativen Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), wollen viele Deutsche ihre Urlaubsreise zwar nachhaltig gestalten (61%). Und auch Ökologische- (31%) sowie Sozialverträglichkeit (38%) nehmen einen bedeutenden Stellenwert ein. Jedoch für über die Hälfte derer, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, sind eventuelle Mehrkosten ein Hemmnis, ganz zu schweigen davon, dass passende Angebote fehlen, oder mangelnde und unübersichtliche Informationen den hehren Zielen einen Strich durch die Rechnung machen. So ist lediglich jeder Achte wirklich bereit mehr Geld auszugeben, während ein Drittel es ausschließt.

Wer nun, allen Unkenrufen zum Trotz, diesen guten Beispielen folgen möchte und sein Wohl in Zertifizierungen sucht, sieht oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Selbst die großen internationalen Zertifizierungssystem BREEAM, LEED und DGNB sind bestenfalls nur schwer miteinander zu vergleichen und setzen zum Teil verschiedene Schwerpunkte. Beispielsweise werden Bau- und Planungsprozesse beim deutschen DGNB als wichtiges Einzelkriterium beachtet; der Punkt Energie spielt allerdings eine vergleichsweise kleine Rolle. Ein Leitfaden ist hier zum Beispiel das Buch „Simply Green – Eine Kurzanleitung zu Umwelt- und Energie-Zertifizierungssystemen für zukunftsfähige Gebäude“ der Swegon Air Academy (vorgestellt in tab 4/2014).

Da sich aber, wie Eingangs schon bemerkt, einfach etwas ändern muss, und nachhaltige Gebäude in der Zukunft z.B. dank besserer Energieeffizienz fungibler sein werden, ist Verweigerung obschon der Verwirrung keine Option mehr. Eine Planung mit kompetenten Partnern und konkreten Vorstellungen, die Nachhaltigkeitsaspekte schon im Vornherein involviert, verspricht Erfolg und nur gemäßigte Mehrkosten.

Abschließend kann nur noch festgehalten werden, dass jeder einzelne Verantwortung trägt und Veränderung generieren kann. Und egal wie sehr wir uns an Zertifizierungen und guten Absichten festhalten, stellen sich trotzdem sehr unangenehme Fragen über unser aller Lebenswandel und Konsumverhalten: Trotz der effizientesten Sparspülung und Durchlaufbegrenzern stellt sich mir z.B. die Frage wie lange wir noch Trinkwasser zum Spülen der Toiletten, zum Duschen und Wäschewaschen verwenden können. Geht es mittags in der Kantine nicht auch mal fleischlos? Angesichts der Tatsache, dass die Viehwirtschaft in etwa so viele Treibhausgase wie der gesamte Verkehrsbereich produziert, und von anderen Umweltbelastungen ganz zu schweigen, eine Überlegung, die nicht nur Tierliebhaber machen sollten. Die Aktion KlimaTeller des GreenFlux e.V. setzt bei dieser Problematik an und wurde für seine Anstrengungen 2013 mit dem Qualitätssiegel der Werkstatt N vom Deutschen Nachhaltigkeitsrat ausgezeichnet.

Und für den, der seinen Urlaub so umweltverträglich wie möglich gestalten möchte, bietet die Plattform bookdifferent.com eine Anlaufstelle. Hier kann der Gast gezielt nach Hotels mit Öko-Labels suchen und Informationen über die Verträglichkeit des Tourismus  an der gewünschten Destination erhalten. Die Hälfte der Provision wird übrigens an einen, von über 1.000 zur Wahl stehenden, wohltätigen Zweck gespendet.

Neu bei hcb: Coffee Circle Kaffee. Richtig. Gut.

Im Gastgewerbe wird es immer wichtiger biologisch angebauten und fair gehandelten Kaffee anzubieten. Aber auch in unserem Büro ist uns dieses Thema wichtig. Denn durchschnittlich trinkt jeder hcbler 150 Liter/ 500 Tassen Kaffee pro Jahr. Wir haben uns deshalb entschieden unseren Kaffee ab sofort von Coffee Circle zu beziehen. Ein junges Hauptstadt-Start-Up, welches die besten Kaffees dieser Welt für alle Menschen erlebbar machen und dabei das Leben der Kaffeebauern ernsthaft und nachhaltig verbessern möchte.

Dass wir dabei auch noch etwas Gutes tun, gefällt uns! Denn mit jeder Packung köstlichen Kaffees unterstützen wir das Projekt Sauberes Trinkwasser für Doyo Bikilla in Äthiopien.

hcb bezieht nun Kaffee von Coffee Circle

Neu: Deutsche Version des britischen BREEAM-Zertifizierungssystems

Das aus Großbritannien stammende Zertifizierungssystem für nachhaltige Immobilien gibt es nun auch in deutscher Version, allerdings bisher begrenzt auf Bestandsimmobilien. Neben LEED (USA) und DGNB (Deutschland) ist BREEAM das älteste und am weitesten verbreitete System zur Zertifizierung nachhaltiger Immobilien. Andere lokale Versionen gibt es bereits in den Niederlanden (NL), in Spanien (ES), Schweden (SE) und Norwegen (NOR).

Die Einführung des Labels in den deutschen Immobilienmarkt übernimmt das eigens dafür gegründete Deutsche Private Institut für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (Difni). In der Immobilienzeitung vom 15.3.2012 schreibt Simone Lakenbrink (Vorstand des Difni) in dem Artikel “BREEAM DE: Die deutsche Version für den Bestand”:

Im Ergebnis entsteht im internationalen Immobilienmarkt zum ersten Mal die Chance, Immobilien auf einem international vereinheitlichten und national abgestimmten Standard zu vergleichen und die (…) Grenzen zu überwinden.

Zudem heißt es in dem Beitrag, dass BREEAM DE Bestand folgende Vorteile böte:

Es hat eine günstige und fixe Kostenstruktur, es ist einfach in der Anwendung (onlinebasiert) und schafft internationale Vergleichbarkeit. (…) Es erlaubt die getrennte Bewertung von Gebäude, Betrieb und Nutzer. BREEAM DE Bestand liefert eine transparente Plattform für Eigentümer, Betreiber und Mieter zur Identifizierung von Performanceverbesserungen und ein Managementtool für nachhaltigen Gebäudebetrieb.

Wir haben Frau Lakenbrink kontaktiert, um zu erfahren, ob das System auch auf Hotelimmobilien anwendbar ist. Sie erläuterte uns, dass es BREEAM DE Bestand derzeit nur für Büro-, Logistik-, Industrie- und Einzelhandelsgebäude gäbe. Nach erfolgreicher Etablierung in diesen Bereichen solle die deutsche Version des Zertifizierungssystems dann aber in einem nächsten Schritt auch auf Wohn- und Hotelimmobilien übertragen werden. Der Zeitpunkt stehe allerdings noch nicht fest.

 

Floating Green Building in Nevada

Am Ufer des Lake Mohave in Nevada (USA), rund eine Stunde südlich von Las Vegas, befindet sich das Cottonwood Cove Resort & Marina der amerikanischen Forever Resorts. Das Besondere an diesem Resort? Das Marina-Gebäude ist auf dem besten Weg das allererste “schwimmende” Gebäude zu werden, dass eine Nachhaltigkeitszertifizierung durch LEED* erhält und setzt somit demnächst vielleicht neue Standards für “grüne” Marinas!

Nach Aussage des Bauherrn entsteht der neue, schwimmende Bau in einer nachhaltigen Modularbauweise und bietet  modernste energieeffiziente und umweltgrechte Materialien, entsprechendes Inventar und Betriebsabläufe. Außerdem wird offenbar auch bei der Maßanfertigung der Hausboote des Resorts grundsätzlich auf die Verwendung nachhaltiger Materialien sowie auf eine auf Nachhaltigkeit bedachte Produktionsweise gesetzt.

Die Planung und Ausführung der “Floating Structure” erfolgt(e) laut Forever Resorts nach strenger Beachtung der LEED-Standards und beinhaltet zum Beispiel:

  • ein Green Cleaning Programm im kompletten Resort
  • ein Energie- und Umwelt-Lehrprogramm für Bootsfahrer und Mitglieder
  • Energie sparende Materialien und Systeme, inkl. hochisolierender Glaskonstruktionen
  • eine hocheffiziente Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik
  • Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach
  • die umfangreiche Nutzung recycelter und regional angefertigter Materialien, wie z.B. Zement, Stahl, Trockenbauwände, Metallskelette, Teppiche etc.
  • Materialien, Farben, Kleber und Abdichtungen zum Oberflächen-Finish, die wenig oder gar keine flüchtigen organischen Verbindungen (FOV) enthalten und somit eine gesunde Innenraumluftqualität ermöglichen
  • recycelte und recycelbare Bau- und Landschaftsbaumaterialen, Recyceln der Bauabfälle, Vermeidung von Luftverschmutzung

Die Marina ersetzt eine 30 Jahre alte Bestandsstruktur und bietet mehr als 220 Liegeplätze sowie sanitäre Anlagen für die Gäste. Zudem wird der Verleih von Booten (inkl. Hausbooten) sowie die trockene Lagerung und Reparatur von Booten angeboten.

Mehr zur “grünen” Marina erfahren Sie auf der Homepage des Resorts  Cottonwood Cove Nevada und z.B. auch hier  Green architecture – Cottonwood Cove Floating  Marina

* LEED Leadership in Energy and Environmental Design, US-amerikanisches Zertifizierungssystem für Nachhaltigkeit,  ähnlich BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method, Großbritannien) oder der DGNB-Zertifizierung aus Deutschland (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen).

Nachhaltige Hotelimmobilien…wie war das nochmal?

Die Nachhaltigkeits-Diskussionsrunde während des Deutschen Hotelimmobilien-Kongresses liegt nun schon wieder eine Weile zurück (genauer gesagt: fast einen Monat) und auch unser darauf bezogener Blogbeitrag “Wer grün  baut, gewinnt!”  ist bereits weit nach unten gerückt.

Dennoch erhalten wir immer wieder Rückfragen zu diesem Thema und haben uns daher entschlossen, für Sie und für uns noch einmal Informationen aus erster Hand zu sammeln. Ein gelungenes Beispiel für eine “grüne” Hotelimmobilie ist das Scandic Berlin Potsdamer Platz, welches als erstes Hotel mit dem DGNB-Siegel ausgezeichnet wurde. Wir haben daher Herrn Michel Schutzbach vom Scandic (er war ebenfalls Teilnehmer der o.g. Diskussionsrunde) noch einmal mit einigen Fragen zur Nachhaltigkeit bombardiert und freuen uns, nun hier die insgesamt recht aufschlussreichen Antworten vorstellen zu können! Viel Spaß beim Lesen!

Download PDF Nachhaltigkeitsgespräch mit Michel Schutzbach, Scandic

 

Wer grün baut, gewinnt!

Beim diesjährigen Deutschen Hotelimmobilien-Kongress in Düsseldorf drehte sich alles um „Nachhaltigkeit“ – zumindest in der Fachkonferenz 1 am 15.06.2011, moderiert von Olaf Steinhage.

Neben den interessanten Vorträgen war dabei insbesondere die abschließende Diskussionsrunde zum Thema „Nachhaltigkeit im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und positiver Marktpositionierung“ sehr aufschlussreich.

Die Ergebnisse lassen sich nach Aussage Olaf Steinhages wie folgt zusammenfassen:

  • Hotels, die eine Nachhaltigkeitszertifizierung vorweisen können (z.B. Green Globe oder DGNB), erhalten u.a. Tagungszusagen und Buchungen aufgrund der Zertifizierung und genießen damit schon heute einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil.
  • Mittelfristig scheint eine Zertifizierung zu einem absoluten MUSS zu werden! Dazu bedarf es allerdings auch entsprechender Betreibervertrags-Modelle, die das Thema „Green Building“ konkret einbinden (Stichwort „Green Lease“).
  • Langfristig gesehen, wird ein Hotel ohne Nachhaltigkeitszertifizierung nicht mehr am Markt bestehen können!

Sie sind gleicher oder anderer Meinung? Wir freuen uns über Ihre Kommentare!

An der Diskussionsrunde nahmen teil (v.l.): Olaf Steinhage (Moderation; hcb), Prof. Alexander Rudolphi (GFÖB/ARCADIS Deutschland GmbH und Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB), Dr. Peter Zimmer (Green Globe Germany), Herr Mark Kumar Bose (Masterplan Informationsmanagement GmbH), Herr Michel Schutzbach (Scandic Hotel Potsdamer Platz) und Herr Matthias Niemeyer MRICS (STIWA Hotel Valuation & Consulting GmbH).

Pressebeiträge in der AHGZ zum Deutschen Hotelimmobilien-Kongress

In Anlehnung an den Deutschen Hotelimmobilien-Kongress am 14./15.06.11 in Düsseldorf wurden einige der Themen in der Ausgabe Nr. 24 der AHGZ vom 11.06. im Teil “Immo & mehr” als Special aufgegriffen. Unter anderem ging es dabei um die steigende Nachfrage nach Hotelimmobilien auf Investorenseite sowie um das Thema Zertifizierungen für Hotelimmobilien.

Sie haben die Ausgabe verpasst? Macht nichts! Die beiden oben genannten Beiträge, in denen auch Olaf Steinhage zitiert wird, können Sie hier als PDF aufrufen:

Hotelinvestoren auf Brautschau, AHGZ 11.06.11

Das Siegel wird zum Muss, AHGZ 11.06.2011

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